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Gladbacher Altenheime skeptisch wegen schneller Öffnung

Nach sechs Wochen des verordneten Besuchsverbots befürchten Betreiber einen Ansturm auf die Altenheime.

Sechs Wochen lang durften Angehörige ihre Nächsten nicht in den Altenheimen besuchen. Pünktlich pünktlich zum Muttertag am Sonntag öffnen sie wieder. Weil die Vorbereitungszeit zur Umsetzung von Hygienekonzepten  zu knapp sei, befürchten Heimbetreiber «herzzerreißende Szenen», wenn Angehörige womöglich vergeblich kommen. Die schnelle Öffnung der NRW-Altenheime nach langem Besuchsverbot schon am Muttertag (10. Mai) stößt bei Einrichtungen im Land auf Skepsis und Kritik. Leitungskräfte benötigten eine angemessene Vorbereitungszeit zur Umsetzung der Schutzvorgaben, kritisierte der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste mit Blick auf NRW. «Leider wird dies nur unzureichend berücksichtigt, wenn bereits in einigen Tagen wieder Besuche flächendeckend (...) ermöglicht werden sollen.»

Zu wenig Zeit zu Umsetzung der Hygienekonzepte «Viele Heime können in der Kürze der Zeit gar keine entsprechenden Hygienekonzepte umsetzen», sagte Christian Woltering, Geschäftsführer beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Nordrhein-Westfalen am Donnerstag. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte die Aufhebung des Besuchsverbots zum Sonntag am Dienstag verkündet. Verbunden damit sind aber aufwendige Schutzvorkehrungen wie Besucherboxen mit ausreichend Abstand und Abtrennungen etwa durch Plexiglasscheiben, Anmeldung der Angehörigen, Begleitung auf dem Weg durch die Heime und gründliche Desinfektion.

«Wir fürchten, dass es am Sonntag zu herzzerreißenden Szenen kommt, wenn Angehörige wieder wegfahren müssen, ohne die Bewohner gesehen zu haben.» Den Unmut und die Enttäuschung darüber oder über lange Wartezeiten müssten dann Pflegeheime auffangen, in denen die Personalsituation in der Corona-Krise ohnehin extrem angespannt sei, sagte Woltering.

Verständnis, wenn Besuche doch nicht möglich Zusätzliches Personal werde benötigt, «dabei sind die Ressourcen begrenzt», kritisierte der Abteilungsleiter Senioren und Gesundheit beim Caritasverband für das Bistum Essen, Martin Peis. Die Caritasdirektorin im Bistum, Sabine Depew, bat um Verständnis, dass voraussichtlich nicht alle Angehörigen am Muttertag besucht werden könnten. Praktiker berichteten bereits von sehr großem Andrang auf die Altenheime und zahlreichen Anmeldungen nach der Ankündigung von Laumann. Das könnte Sie auch interessieren

NRW-Infektionslage "sehr entspannt"

Laumann hebt Besuchsverbote für Heime auf.Die Deutsche Stiftung Patientenschutz riet, sich vorab genau über die jeweiligen Besuchsmöglichkeiten zu informieren. Der Gesundheitsminister sei weit vorgeprescht, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. «Nicht jedes Heim ist auf einen Ansturm vorbereitet.» (red/dpa/landnrw.de)

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