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Früher war alles leichter

Allgemeinbildung heißt heute Google, sagen manche. Aber das reicht nicht. Die Welt ist so kompliziert geworden, dass man leicht den Überblick verliert. Woher soll man wissen, was man wissen muss? Ein Gespräch zwischen Vater und Sohn.

Letztens hatte ich mal wieder eine Diskussion mit meinem Vater, so wie wir sie oft hatten, als ich noch zu Hause wohnte. Das Thema: Allgemeinbildung. Ich versuche meine nämlich gerade aufzupolieren und war überfordert von der Masse an Informationen, Daten und Nachrichten, die mir im Internet so entgegenfliegen – einem Raum voll unendlichen Wissens. Wie soll ich da mithalten?

Ich sagte, seine Generation habe einen riesigen Vorteil: Sie haben miterlebt, wie die Welt zu dem geworden ist, was sie heute ist. Und schlimmer: Sie haben sie zu dem gemacht. Das Wissen seiner ganzen Lebenszeit, die wichtigen Personen und Ereignisse, kann ich heute nur mühsam nachholen. Er kann sich erinnern.

Wer bestimmt, was es bedeutet?

Wir sprachen lange darüber, was Allgemeinbildung überhaupt bedeutet und was zum Allgemeinwissen dazugehört. Im Kern, meinte er, würden immer noch die gleichen Bereiche gelten, die er früher in der Schule gelernt habe: Naturwissenschaften, Mathe, Deutsch, Geschichte, Politik. So sicher bin ich mir da nicht. Viele Bereiche, die ich als wichtig für das Allgemeinwissen einschätzen würde, werden damals wie heute gar nicht in der Schule behandelt, zum Beispiel wirtschaftliche Themen (Steuern, Versicherungen), aber auch der Umgang mit Medien und dem Internet. Eine Definition von Allgemeinbildung lautet: Der Bildungsstand, der bei jedem durchschnittlich gebildeten Menschen vorausgesetzt werden kann. Klingt logisch, aber was bedeutet das? Wer bestimmt, was wichtig ist und was nicht; was vorausgesetzt werden kann? Wann hört etwas auf, wichtig zu sein? Die Welt verändert sich so rasant wie noch nie zuvor. Daran kann man verzweifeln oder sich die gute, alte, vielleicht einfachere Zeit zurückwünschen. Die beschreibt mein Vater so:

Das waren noch Zeiten

„Als ich noch klein war, ergab sich die Allgemeinbildung aus dem Elternhaus und dem, was ich in der Schule gebüffelt habe. Danach wurde man durch die Tageszeitungen und die drei Fernsehprogramme informiert. Wissenslücken wurden durch die Enzyklopädie ‚Der große Brockhaus‘ geschlossen – ein Riesenschinken, den jeder zu Hause hatte. Die Welt schien zu diesem Zeitpunkt noch überschaubar, sie war in zwei Blöcke aufgeteilt: den kapitalistischen, in dem wir lebten, und den kommunistischen, der hinter dem sogenannten ‚Eisernen Vorhang‘ verschwand. In der Schule mussten die Werke von Schiller und Goethe auswendig gelernt werden, Geschichte war das Pauken von Zahlen und Fakten. Quadratwurzeln und Logarithmen haben wir mit dem Rechenschieber berechnet (einen Taschenrechner gab es nicht). Zum Schulen des logischen Denkens wurde uns Latein eingetrichtert. Mit der Berufswelt hatte die Allgemeinbildung damals wenig zu tun, mit dem Leben noch viel weniger. Wahrscheinlich war das Abitur aber in der Breite der Höhepunkt meiner Allgemeinbildung. Viele Jahre nach meinem Abitur sind wir in ein völlig neues Zeitalter eingetreten. Brockhaus heißt Google und passt in jede Hosentasche. Die Welt hat sich geöffnet und wir haben gelernt, sie ganzheitlich zu betrachten. Heute besteht das Problem eher darin, mit diesem Wissen umzugehen, um etwas zu verstehen. Ein mündiger Bürger sollte Zusammenhänge begreifen und nicht nur an etwas glauben. Dazu gehört auch, dass man sein Wissen in einer Diskussion parat hat, gelernte Fakten also, wie damals zu meiner Schulzeit. Denn denken kann man nur mit dem, was man im Kopf hat.“

Die Verzweiflung der globalisierten Internet-Generation

Irgendwie hat mein alter Herr ja recht. Wahrscheinlich ist ein breites Allgemeinwissen so wichtig wie noch nie. Man muss sich in dieser komplexen Welt orientieren, Informationen einordnen und globale Zusammenhänge bewerten können. Darüber kann man sich schon mal den Kopf zerbrechen. Die Welt schien früher viel einfacher und geordneter. Heute wird man in die Unordnung geworfen und muss schauen, wie man damit zurechtkommt. Ich hoffe, dass ich noch die ein oder andere Diskussion mit dem Senior haben werde. Dabei kommt es nämlich immer auf den richtigen Spruch zur richtigen Zeit an. Und der muss nicht nur sitzen, sondern auch stimmen. Deswegen: Lernen statt Googlen! Oder wie mein Papa sagt: Bleibe neugierig.


-Bianca Hoffmann, Autorin beim Bergischen Impuls

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