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ADFC wirft der Stadt die Tatenlosigkeit vor

Blick oder die Unachtsamkeit eines anderen, die genügen, um ein Leben zu beenden. Ein radfahrender Mann ist am Wochenende in Schildgen ums Leben gekommen, weil er von einem Lastwagen beim Rechtsabbiegen übersehen wurde.

Der Tod stürzt die Familie in Trauer, lädt dem Fahrer eine lebenslange Schuld auf. Die Stadtverwaltung sagt, sie habe den Grundstein für die Verkehrswende gelegt. Doch Kritiker wie der Allgemeinen Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) werfen der Stadt Tatenlosigkeit vor.

Blumen liegen auf dem Boden

„Wir haben gehofft, dass uns die schweren Rechtsabbiege-Unfälle erspart bleiben und doch geahnt, dass es früher oder später passieren wird“, sagt Bernhard Werheid, Vorsitzender des ADFC in Rhein-Berg. Blumen liegen auf dem Boden. Menschen haben Kerzen aufgestellt an der Kreuzung Altenberger-Dom-Straße /Leverkusener Straße.

Hier ist der tödliche Unfall am Freitagmorgen passiert. Ein 65-jähriger Radfahrer wollte geradeaus über die Straße radeln, als ein rechtsabbiegender Lastwagen ihn offenbar im toten Winkel übersah und überrollte. Er starb wenig später in einem Krankenhaus.

„Aber es passiert einfach nichts“

„Es macht fassungslos und wütend“, sagt Werheit. Der ADFC habe die Stadt bereits im Dezember 2019 auf diese für Radfahrer gefährliche Kreuzung aufmerksam gemacht und Lösungen aufgezeigt: „Aber es passiert einfach nichts, wir haben gar keine Rückmeldung erhalten. Seit Jahren laufen wir mit unseren Anregungen gegen eine Wand.“

Die Stelle in Schildgen ist für Werheid symptomatisch: Entlang der Altenberger-Dom-Straße führt Richtung Köln ein schmaler Radstreifen, der auf Höhe der Ampel endet.

Dabei gibt es aus Sicht des ADFC Möglichkeiten, die Sicherheit für Fahrradfahrer in kurzer Zeit zu verbessern, indem man an Kreuzungen getrennte Ampelschaltungen für Autofahrerund Radler anbringt oder Autos zwei Meter mehr Platz zur Ampel zum Halten lässt, damit sie die Radfahrer vor sich haben.

Doch das würde natürlich bedeuten, dass weniger Autos pro Grünphase über die Ampel kämen und das sei nicht gewollt: „Die Stadt ist auf die Interessen von Autofahrer fokussiert. Dabei ist es wichtiger, dass keine Menschen überfahren werden, als dass es keine Staus gibt“, findet Werheid.

Kreuzung ist keine klassische Unfallstelle

Der Unfall des 65-jährigen Zeitungszustellers werde genau analysiert, berichtet Polizeisprecher Richard Barz. Dazu gehörten solche Details, ob beide Verkehrsteilnehmer standen oder fuhren, als der Unfall passierte. Eine klassische Unfallhäufungsstelle sei die Kreuzung in Schildgen nicht. Von einer solchen sei die Rede, wenn es in einem Jahr zu drei oder mehr Unfällen gleichen Typs komme.

Aber im Jahr 2019 hat es einen Unfall mit einem schwer verletzten Radfahrer gegeben. Wegen der neuen Unfalllage plane die Stadtverwaltung, die Unfallkommission mit Experten von Straßenverkehrsamt, Straßenbaubehörde und Polizei mit einer Voruntersuchung vor Ort einzuberufen.

Eine Lösung wird derzeit gesucht

Tatenlosigkeit will die Stadtverwaltung sich nicht nachsagen lassen. Stadtsprecherin Marion Linnenbrink verweist darauf, dass derzeit drei Planungsbüros mit einer Verkehrsuntersuchung beauftragt seien, in der es um neue Lösungen für die Ortsdurchfahrt Altenberger-Dom-Straße gehe. „Aus personellen Gründen können andere Maßnahmen des Mobilkonzepts 2016 aktuell nicht durchgehend bearbeitet werden“, erklärt Linnenbrink. Inzwischen seien aber zwei von drei Stellen besetzt.

Gedenk-Demonstration

Der ADFC plant am Freitag, 13. März, 19 Uhr, eine Gedenk-Demonstration am Unfallort Altenberger-Dom-Straße/Leverkusener Straße abzuhalten. Mit der Aktionsform des „Die-in“ soll auf die gefährliche Situation für Radfahrer aufmerksam gemacht werden: Die Demonstranten legen sich wie tot zu Boden. Außerdem soll ein weißes Mahnrad aufgestellt werden. Ein solches „Ghost-Bike“steht bereits an der Dechant-Müller-Straße, wo im Jahr 2015 ein Radfahrer starb.

Im Jahr 2019 verunglückten in Bergisch Gladbach 83 Radfahrer, 16 schwer, 67 leicht. 13 Unfälle passierten mit dem Pedelec.(ub)

Die Stelle des Mobilitätsmanagers sei noch vakant. Politik und ADFC formulierten ebenfalls regelmäßig Prüfaufträge. „Manchmal ist es auch schwierig, alle Interessen zu bedienen“, meint Linnenbrink. Die Ratsmitglieder stünden vor der Aufgabe, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen.

„Wir werden nicht länger schweigen“, kündigt Werheid an. In Köln würden Radfahrstraßen eingerichtet, werde diskutiert in der Innenstadt Tempo 30 einzuführen, in Bergisch Gladbach gebe es Tempo 30 noch nicht einmal in allen Wohngebieten: „So geht Verkehrswende nicht!“

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